Artikel-Christlich Archive - #jewish and christian https://www.jewishandchristian.org/category/artikel-christlich/ Tue, 12 Jan 2021 14:27:45 +0000 de-DE hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.6.2 https://www.jewishandchristian.org/wp-content/uploads/2020/11/cropped-RGB_Logo_bzw_Kampagne-512x512px-32x32.png Artikel-Christlich Archive - #jewish and christian https://www.jewishandchristian.org/category/artikel-christlich/ 32 32 Stationen christlichen Lebens https://www.jewishandchristian.org/stationen-christlichen-lebens/ Wed, 02 Dec 2020 13:50:00 +0000 https://www.jewishandchristian.org/?p=20575 more]]>

Mit der Geburt eines Menschen beginnt ein Lebensweg, der für Christinnen und Christen zahlreiche Riten umfasst. Deren Sinn liegt sowohl darin, Gemeinschaft herzustellen, als auch eine individuelle Beziehung zu Gott aufzubauen. Im Lauf der Zeit und in verschiedenen christlichen Konfessionen haben sich viele Formen herausgebildet, den Lauf des menschlichen Lebens zu feiern, ihm Sinn zu schenken und eine verbindende Form zu geben.

Mit der Taufe werden Menschen in die Gemeinschaft der Gläubigen aufgenommen. Denn sie verbindet mit Christus – durch die Taufe wird man in ihm neu geboren. Auf den dreieinen Gott getauft verbleibt die Taufe ein lebenslanges Sigel, das mit Gott und mit der Gemeinschaft der Gläubigen verbindet. Diesem Taufverständnis konnten sich 2007 in der Magdeburger Erklärung mehrere Konfessionen anschließen. Einige Freikirchen wie beispielsweise Baptisten oder Mennoniten ziehen die Gläubigentaufe vor. Dort werden Menschen erst getauft, nachdem sie sich selbst zu Jesus Christus bekannt haben. Alle Taufformen verbindet aber die Anbindung an den christlichen Glauben und das Bekenntnis zu ihm. Die Taufe ist damit nicht nur Ausdruck eines Glaubens, sondern Initiation, Einführung in eine Gemeinschaft. Die Taufe selbst wird deshalb als Fest gefeiert, wobei unterschiedliche Ausprägungen existieren. Ein fester Bestandteil ist das Übergießen mit Wasser oder das Ein- oder Untertauchen in Wasser. Nach der Taufe kommen Familie und Freunde zu einem Fest zusammen. Patinnen und Paten sollen den Täufling auf seinem Lebensweg begleiten.

In Teilen der christlichen Konfessionen haben sich daneben noch Firmung und Erstkommunion als Initiationsriten erhalten. Die Firmung feiert die Versiegelung mit dem Heiligen Geist und die damit einhergehende Mündigkeit innerhalb der Gemeinde. Die Erstkommunion oder Ersteucharistie ist die erste feierliche Zulassung zur Eucharistie im Gottesdienst. In den orthodoxen Kirchen werden Menschen mit der Taufe zugleich gefirmt (sog. Myronsalbung) und empfangen die Ersteucharistie. Die orthodoxe Kirche hält an der in der Antike üblichen Praxis der Einheit von Taufe, Salbung/Firmung und Ersteucharistie fest. Wenn bisher ungetaufte Erwachsene sich zur Taufe entschließen, werden sie in der katholischen Kirche in Deutschland ebenfalls sofort gefirmt und erhalten die erste heilige Kommunion. Im Kindesalter werden Taufe, Firmung und Erstkommunion aber getrennt: Die Taufe erfolgt in der Regel im Säuglingsalter, die Erstkommunion üblicherweise im Alter von 9 oder 10 Jahren und die Firmung findet mit 13 oder 14 Jahren statt. Verschiedene christliche Konfessionen kennen ebenfalls die Firmung im Jugendalter, beispielsweise die anglikanische oder neuapostolische Kirche. In der evangelischen Tradition existiert ein ähnlicher Ritus mit der Konfirmation. Diese Segnung markiert, wie die Firmung, den Übergang ins Erwachsenenalter. Dementsprechend werden diese Feste gefeiert. Sie stellen auch im bürgerlichen Sinn wichtige Wegstrecken des Lebens dar.

Mit der Konfirmation oder Firmung ist der Mensch ein vollwertiges Mitglied der jeweiligen Gemeinschaft, mit entsprechenden Rechten und Pflichten. Es handelt sich also mit Taufe und Konfirmation/Firmung um ähnliche Vorgänge wie beim Empfang einer Staatsbürgerschaft und dem Erreichen der Volljährigkeit.

Im gesellschaftlichen Leben spielt die Hochzeit, also das Versprechen der Treue zwischen zwei Menschen, eine wichtige Rolle. Doch unterscheidet sich das religiöse Verständnis der Ehe im Christentum. In der katholischen Kirche spielte die Ehe ab dem 11. Jahrhundert eine zunehmend wichtigere Rolle. Demgegenüber begründet die Hochzeit in anderen Tradition einen weltlichen Bund, der in einer Trauung gesegnet werden kann. Wie das orthodoxe Christentum kennen auch die reformatorischen Kirchen das Prinzip der Scheidung bzw. Auflösung der Ehe. In der katholischen Tradition hat sich demgegenüber ein Eheverständnis herausgebildet, das die Unauflöslichkeit einer gültig geschlossenen Ehe hervorhebt. Das Eheband wird dabei mit dem Bund Gottes mit den Menschen verglichen. Allen Formen gleich ist die Bedeutung der Treue untereinander und zu Gott, die sich in der Ehe als gemeinsamem Lebensweg ausdrücken soll. Deshalb wird die Ehe oft als Entsprechung der göttlichen Liebe zum Menschen gesehen.

Zum menschlichen Leben gehört die Möglichkeit, das Falsche zu tun. Landläufig spricht man davon, „gesündigt“ zu haben. Wie im Judentum besteht auch in den christlichen Traditionen die Überzeugung, durch Umkehr und Buße zu Gott zurückkehren zu können. Während in den reformatorischen Kirchen der einzelne Gläubige, institutionalisiert am „Buß- und Bettag“, durch Buße zu Gott umkehren will, spielt im orthodoxen und katholischen Christentum die Beichte eine wichtige Rolle bei der persönlichen Sündenvergebung und Umkehr zu Gott. Bei allen Formen der Buße geht es darum, den eigenen Lebensweg kritisch zu prüfen. Maßstab dafür ist die Heilige Schrift, besonders das Evangelium, die Frohe Botschaft Christi, aber auch die gesamte Überlieferung. Sinn und Zweck ist es, sich mit dem eigenen Handeln auseinanderzusetzen und darauf zu achten, wo man gegen Gott, gegen die Nächsten, aber auch gegen die eigene, individuelle Person so gehandelt hat, dass daraus Schaden entsteht. Da das Gebot der Gottes- und Nächstenliebe ein zentrales Gebot der Evangelien darstellt, steht die Erfüllung dieses Gebots stellvertretend für das Einhalten von Gottes Wille und den Wunsch nach einem erfüllten Zusammenleben.

Die Zusicherung der Vergebung von Sünden steht im orthodoxen Verständnis der Krankensalbung im Zentrum, die sich an alle Menschen richtet. Viele christliche Konfessionen kennen diese Form der Zuwendung und des Übergangs, doch hat diese Form von Salbung in anderen Konfessionen einen anderen Sinn. In der lutherischen oder katholischen Tradition ist es beispielsweise vor allem die Stärkung und Ermutigung von Kranken und Sterbenden. Der Zuspruch, der gegeben wird, soll im Übergang von Gesundheit, Krankheit und Tod den Glauben an die christliche Auferstehungshoffnung festigen und damit Mut geben, dem eigenen Glauben zu vertrauen.

Das christliche Menschenbild lebt von der Möglichkeit, sich miteinander zu versöhnen – erst recht mit Gott. Lebt der Mensch auch noch so fern von Gott, ihm ist die Möglichkeit geschenkt, zu ihm zurückzukehren. Das christliche Schrifttum ist reich an Bekenntnissen, die Momente der Gottesferne und der Umkehr zu Gott beschreiben. Diese Gnade steht im Zentrum der persönlichen Entwicklung und dem persönlichen Lebensweg. Zentral ist im Christentum aber auch der Gedanke, dass unser irdisches Leben eine Pilgerschaft hin zu Gott ist: Letztlich müssen wir als Sterbliche alle irgendwann vom Leben zum Tod übergehen. Die christliche Hoffnung ist, dass der Tod nicht das letzte Wort hat, sondern wir im Tod ins ewige Leben eingehen. Die Auferstehung jedes Menschen, der an Christus glaubt, ist im Evangelium verheißen. Deshalb gedenken Menschen auch der Toten, im katholischen Glauben gerade am Fest Allerheiligen bzw. am Fest Allerseelen. Das Weiterleben nach dem Tod, das uns Christus zugesagt hat, es ist der Horizont des christlichen Lebenswegs. Er endet damit nicht mit dem Tod, sondern wird in einer Art transformiert, die menschliches Verstehen übersteigt.

Damit ist das christliche Leben kein echter Kreislauf, der – ähnlich wie im Hinduismus oder Buddhismus – von der ewigen Verkettung und Abfolge von Leben und Tod bestimmt ist, sondern ähnlich wie im Judentum von der Hoffnung geprägt, im Tod neues Leben zu erhalten und für immer bei Gott zu sein.

– Dr. Fabian Freiseis. Leiter des Referats und Referent für den Dialog mit dem Judentum und Kulturen des Erzbistums Freiburg.

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Das christliche Jahr https://www.jewishandchristian.org/das-christliche-jahr/ Tue, 01 Dec 2020 13:37:00 +0000 https://www.jewishandchristian.org/?p=20568 more]]>

Der christliche Jahreskreis, auch Kirchenjahr genannt, hat eine enge innere Abhängigkeit vom jüdischen Jahreskreis. Denn im Frühchristentum entwickelte sich der christliche Zyklus aus den jüdischen Feiertagen und in Anlehnung an den jüdischen Jahreskreis. Zunächst wurden die Hauptfeste Weihnachten, Ostern und Pfingsten gefeiert, nach und nach auch andere. Das Kirchenjahr kennt drei große, aufeinander folgende Teile gegliedert: Auf den Weihnachtskreis folgt der Osterkreis. Nach Pfingsten schließt sich in der evangelischen Kirche die Trinitatiszeit (von lat. „trinitas“ – Dreifaltigkeit), in der katholischen Kirche als „Zeit im Jahreskreis“ benannt, an.

Der Grundgedanke des christlichen Jahreskreises besteht darin, Gottes dreifaltiges Wirken in der Heilgeschichte sichtbar zu machen. Dazu gehören das Leben, Wirken, aber auch Leiden, Tod und Auferstehung Jesu Christi, das Wirken des Heiligen Geistes und die Heilsgeschichte des Ewigen mit seinem auserwählten Volk. Danach richten sich in der evangelischen und katholischen Tradition an Sonn- und Festtagen die Textlesungen aus der Tora, den Propheten, den Schriften – diese Texte werden in Beziehung zur christlichen Heilserwartung gesetzt – sowie die Lesungen aus den vier Evangelien, der Apostelgeschichte, den Briefen an die christlichen Gemeinden sowie der Offenbarung des Johannes. Jedem Sonn- und Festtag sind somit bestimmte Texte zugeordnet. Das ist in der Perikopenordnung bzw. Leseordnung festgelegt. An den Wochentagen findet die sogenannte Bahnlesung statt – ähnlich wie im Judentum.

Das christliche liturgische Jahr beginnt im Spätjahr. Hier besteht ebenfalls eine Übereinstimmung zum Judentum. Orthodoxe Christen beginnen es am 1. September, vor dem Festtag Mariä Geburt. In den reformatorischen Kirchen und in der katholischen Tradition beginnt das Kirchenjahr am Vorabend des ersten Adventssonntags. Mit dem Beginn wichtiger Feste am Vorabend des Festtags selbst, in der Regel mit der ersten Vesper, hat das Christentum den jüdischen Brauch übernommen wie er beispielsweise am Beginn des Schabbats erkennbar wird.

Der christliche Advent ist eine Fastenzeit und dient der Vorbereitung auf die Geburt Jesu. Deshalb stehen Buße und intensives Schriftstudium im Vordergrund. Geistliche Gesänge sollen dies unterstützen. In vielen vor allem orthodoxen oder altorientalischen Kirchen wird die Fastenzeit sehr streng eingehalten. Die Adventszeit bildet einen Schwerpunkt im christlichen Jahr. Sie ist geprägt von Lesungen aus dem Buch des Propheten Jesaja, der das Kommen des Erlösers ankündigt.

Christinnen und Christen glauben, dass mit der Geburt Jesu dieser Erlöser gekommen ist. Dementsprechend groß wird das Weihnachtsfest gefeiert. In den verschiedenen christlichen Konfessionen wird es an unterschiedlichen Terminen gefeiert. Hinzukommen regionale Bräuche. In Deutschland feiern evangelische, reformierte und katholische Christinnen und Christen Weihnachten am 25. Dezember. Der 24. Dezember ist der Vorabend und hat als „Heilige Nacht“ große kulturelle Bedeutung erlangt. Die Bescherung unter dem Tannenbaum gehört in Deutschland zu einem weit verbreiteten Brauch. Es ist das Fest der Familie und hat hohen emotionalen Wert.

Der Weihnachtsfestkreis dauert in der katholischen Tradition bis zum Fest Taufe des Herrn. Es wird am Sonntag nach Epiphanias, das bedeutet auf Griechisch Erscheinung, gefeiert. In Deutschland hat sich zum Fest der Erscheinung des Herrn die Anbetung Jesu durch die Weisen als wichtigster Festinhalt durchgesetzt. So ziehen an diesem Tag die Sternsinger durch die Straßen. Die orthodoxen Kirchen feiern zu Epiphanie vor allem die Taufe Jesu. Daran erinnert in der katholischen Kirche die Wasserweihe, die an diesem Festtag stattfindet.

Die nächste wichtige und geprägte Zeit ist die Passions- oder Fastenzeit vor Ostern. Sie beginnt mit dem Aschermittwoch, der die regional als „Fasching“, „Karneval“ oder auch „Fastelovend“ bekannten Bräuche beendet und 40 Tage lang auf das Osterfest vorbereiten soll. Darum wird das ausgelassene Feiern vor der Fastenzeit auch „Karneval“ genannt, vom lateinischen „carne levare“ für „Fleisch wegnehmen“ – es folgt ja die Fastenzeit, in der einige christliche Konfessionen ganz auf Fleischkonsum verzichten. Je näher der Palmsonntag, der an den Einzug Jesu in Jerusalem erinnern soll, rückt, desto mehr steht die Betrachtung des Leidens Jesu im Vordergrund. Der Palmsonntag markiert den Beginn der Karwoche (vom althochdeutschen „kara“ für Klage oder Kummer) oder Heiligen Woche.

Das Osterfest, das in zeitlicher Nähe und je nach Kalender sogar parallel zum Pessachfest stattfindet, bildet den Höhepunkt des christlichen Jahres. Vor allem in der Karwoche kulminiert das Gedenken an Jesus Christus. Deshalb steht die Erinnerung an das Wirken Jesu im Vordergrund: Am Gründonnerstag (wahrscheinlich vom mhd. „greinen“ für Weinen, Klage) das Letzte Abendmahl, am Karfreitag Leiden und Sterben, am Karsamstag die Grabesruhe sowie in der Osternacht, am Ostersonntag und Ostermontag die Auferstehung und die Erlösung durch ihn. Dieses Gedenken an die Auferstehung feiern Christinnen und Christen an jedem Sonntag. Deshalb dürfen die Kar- und Ostertage auch als wichtigstes Fest des Christentums bezeichnet werden. Obgleich mit dem jüdischen Pessachfest verwandt, zeigt sich an diesem Fest eine große innere Spannung zum Judentum.

Verschiedene kulturelle Bräuche umrahmen die Kar- und Ostertage, beispielsweise die Eiersuche am Ostersonntag oder das Backen von Lämmern, was an Christus als Lamm Gottes erinnern soll. An den Ostersonntag schließt sich die österliche Freudenzeit oder Festzeit als geprägte Zeit an. Sie dauert fünfzig Tage bis zum Pfingstfest und entspricht damit von der Dauer dem Intervall zwischen Pessach und Schawuot im Judentum.

Beim Pfingstfest, das auf Schawuot zurückgeht, feiern Christinnen und Christen die Herabsendung des Heiligen Geistes. Damit hängt die Offenbarung des dreieinen Gottes zusammen. Deshalb wird der Sonntag nach Pfingsten als Dreifaltigkeitssonntag oder „Trinitas“ gefeiert. Das Pfingstfest wird als Gründungsfest der Kirche verstanden. Die Ökumene, also die Einheit der Christenheit, steht deshalb ebenso im Fokus dieses Festes. In vielen Städten finden um Pfingsten ökumenische Gottesdienste statt.

Der Jahreskreis kennt daneben noch eine Zahl weiterer wichtiger Festtage, beispielsweise das Erntedankfest, das eine Verwandtschaft zu Sukkot aufweist, den Buß- und Bettag oder den Reformationstag in der evangelischen und reformierten Tradition, Christi Himmelfahrt und Fronleichnam in der katholischen Tradition. In der orthodoxen und katholischen Tradition werden Gedenktage der Heiligen gefeiert, um dadurch den Gläubigen Wege zu Gott durch das Vorbild besonderer Menschen aufzeigen zu können. Ein wichtiger Gedenktag ist beispielsweise der Johannistag am 24. Juni, Gedenktag von Johannes dem Täufer.

Das christliche Jahr möchte den Menschen Orientierung und Sinnstiftung vermitteln. Dies geschieht, indem ein wichtiger Gedanke des Judentums aufgegriffen wird: Vergegenwärtigung und Gedenken sollen – aus christlicher Sicht – die Heilsgeschichte des dreieinen Gottes mit den Menschen erfahrbar und erlebbar machen. Dies drückt sich besonders im Gedächtnis an Jesus Christus aus, das in jedem Gottesdienst gefeiert wird. Damit steht der christliche Jahreskreis auf dem Fundament der jüdischen Überlieferung. Im Gedächtnis vergegenwärtigen wir uns die Taten Gottes. Im Nachvollzug der Feste feiern wir nicht nur als Gemeinschaft, sondern werden wir als Einzelne und Einzelner dazu ermutigt, Gott, aber immer wieder auch den Nächsten näher zu kommen.

– Dr. Fabian Freiseis. Leiter des Referats und Referent für den Dialog mit dem Judentum und Kulturen des Erzbistums Freiburg.

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