Artikel-Jüdisch Archive - #jewish and christian https://www.jewishandchristian.org/category/artikel-juedisch/ Wed, 23 Dec 2020 10:56:25 +0000 de-DE hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.6.2 https://www.jewishandchristian.org/wp-content/uploads/2020/11/cropped-RGB_Logo_bzw_Kampagne-512x512px-32x32.png Artikel-Jüdisch Archive - #jewish and christian https://www.jewishandchristian.org/category/artikel-juedisch/ 32 32 Stationen des jüdischen Lebens https://www.jewishandchristian.org/stationen-des-juedischen-lebens/ Mon, 02 Nov 2020 08:32:56 +0000 https://www.jewishandchristian.org/?p=20100 more]]>

Die Geburt eines Kindes bedeutet Freude, aber auch erzieherische Pflicht für die Eltern des Neugeborenen. Ein neugeborener Junge unterzieht sich am 8. Tage nach seiner Geburt einer rituellen Beschneidung. Durch sie wird das Kind in das Bündnis mit Gott aufgenommen. Eine rituelle Beschneidung ist die Entfernung der Vorhaut. In ihrer Bedeutung für das jüdische Selbstverständnis eines Juden ist diese Vorschrift nicht zu unterschätzen. Das Gebot der Beschneidung ist eine der ältesten biblischen Vorschriften. Schon Abraham unterzog sich der Beschneidung weit vor der Zeit eines realexistierenden Judentums mit Tora und Gesetzen. Die Beschneidung steht für die Vollständigkeit, für die gänzliche Aufnahme eines jüdischen Mannes in die Religionsgemeinschaft Israels. Sie ist ein Fundament des jüdischen Glaubens und wird in allen Strömungen des Judentums praktiziert. Es ist die Pflicht des Vaters, dafür zu sorgen, dass sein Sohn am 8. Tage nach der Geburt beschnitten wird. Dafür beauftragt er einen geschulten „Mohel“, der die rituelle Beschneidung nach den Regeln und Riten des Judentums professionell und medizinisch einwandfrei am Kind vollzieht.

Da Mädchen im Judentum selbstverständlich nicht beschnitten werden dürfen, besteht ihre erste und wichtige Station im Leben darin, dass ihr Name im Kreise einer Betergemeinschaft ausgerufen wird. Diese traditionelle Namensgebung erfolgt in der Regel im Morgengebet des Schabbats (Samstag) nach der Geburt der Tochter. Der Vater der Tochter wird zur Toralesung aufgerufen und nennt der Gemeinde den Namen seiner neugeborenen Tochter.

Mit 12 Jahren ist dann ein jüdisches Mädchen religiös mündig. Ein solches Mädchen nennt man die Bat Mizva. Ein jüdischer Junge erhält seine religiöse Mündigkeit mit 13 Jahren. Die Zeremonie einer Bar Mizva läuft in der Regel folgendermaßen ab: Jeden Schabbat findet in der Synagoge die Lesung eines Tora-Wochenabschnittes statt. Danach folgt eine zusätzliche Lesung, die man die Haftara nennt. Die Haftara besteht dann aus der Lesung eines zum Wochenabschnitt inhaltlich dazugehörigen Abschnittes aus den Büchern der Propheten. Der Bar Mizva Junge übernimmt diese Haftara-Lesung. Dafür muss er sie davor liturgisch gut vorbereitet haben. Ebenso hält der Bar Mizva Junge eine Rede zur Feier des Tages: Er spricht über die Bedeutung dieses Tages, er spricht über die Aufgaben und Pflichten eines jüdisch mündigen „Erwachsenen“, die ab jetzt auf ihn zukommen. In der Synagoge werden Bonbons und Süßigkeiten geworfen und verteilt, die Stimmung ist feierlich und fröhlich.

Bei einem Bat Mizva Mädchen hängt es davon ab, welcher jüdischen Strömung und welcher Synagogengemeinde sie angehört. In bestimmten Teilen der frommen jüdischen Orthodoxie ist es nicht üblich, dass man die Bat Mizva wie bei einem Jungen feiert. Die Feier fällt eher bescheiden aus. In vielen anderen und moderneren Gruppierungen des Judentums besteht man durchaus darauf, dass eine Bat Mizva Feier ebenso in der Synagoge stattzufinden hat. Das mündige Mädchen hält eine Rede und feiert ihr Erwachsenwerden mit der Gemeinde. In den liberalen jüdischen Gemeinden nimmt sie oftmals an der Lesung teil.

Eine wichtige Station im Leben eines Erwachsenen ist die Hochzeit. Heiraten gehört im Judentum zu den wichtigen Geboten des Lebens. Voraussetzung für eine jüdische Hochzeit ist immer, dass beide Partner jüdischen Glaubens sind. Den Ablauf einer jüdischen Hochzeit muss man sich ungefähr so vorstellen: Vor der Hochzeit geht die Braut in ein rituelles jüdisches Tauchbad, das man Mikve nennt. Sie taucht mit dem ganzen Körper in das Wasser ein und erlangt dadurch eine Art spirituelle Reinheit. Eine jüdische Hochzeit kann in einer Synagoge stattfinden, muss aber nicht. Viele heiraten draußen im Freien, symbolisch unter dem Sternenhimmel in Anlehnung an das göttliche Versprechen über die zahlreichen Nachkommen, das der Erzvater Abraham erhielt. Die Trauung leitet in der Regel ein Rabbiner. Während der Trauung stehen Braut und Bräutigam unter einem Hochzeitsbaldachin, den man im Judentum die „Chupa“ nennt. Vor der eigentlichen Trauung bedeckt der Bräutigam das Gesicht der Braut mit einem Schleier. Er stellt sich als erster unter die Chupa und empfängt die Braut, welche  bei ihrer Ankunft siebenmal um ihn herumgeht. Der Rabbiner spricht die Hochzeitssegen mit einem Weinkelch in der Hand, aus dem dann getrunken wird. Mit der Übergabe des Hochzeitsrings an die Braut ist die Eheschließung rechtlich vollzogen. Es wird der traditionelle jüdische Ehevertrag, die sog. Ketuba vorgetragen. In diesem Ehevertrag sind viele Rechte der ab jetzt verheirateten Frau im Sinne des jüdischen Religionsrechts festgehalten. Symbolisch für die Zerstörung des Jerusalemer Tempels, dessen Gedenken auch am Tag der größten Freude eines Hochzeitspaares nicht vergessen werden darf, zertritt der Bräutigam ein Glas. Damit endet der rituelle Teil der Eheschließung unter der Chupa. Jüdische Hochzeiten werden mit viel Freude und Enthusiasmus gefeiert. Die Hochzeitsgesellschaft tanzt um das frisch verheiratete Paar und hebt sie auf Stühle und Schultern.

Da auch eine Scheidung für viele Menschen eine wichtige Station des Lebens bedeuten kann, sei hier erwähnt, dass das Judentum auch diesen Akt religionsrechtlich definiert: Eine Scheidung wird vor einem Rabbinatsgericht mittels einer traditionellen Scheideurkunde, die im Judentum „Get“ genannt wird, durchgeführt. Hierbei ist es der Mann, der der Frau den Scheidebrief in Anwesenheit der Rabbiner zu überreichen hat. Ohne ein Get sind eine jüdisch verheiratete Frau und ein jüdisch verheirateter Mann religionsrechtlich immer noch miteinander verheiratet und können demzufolge nicht neu heiraten.

Die letzte Station eines Menschen auf Erde ist sein Tod. Im Judentum sind mit den Jahrhunderten und Jahrtausenden sehr viele Riten und Bräuche des Trauerns und des Umgangs mit Verstorbenen entstanden. Wichtig zu wissen: Aktive Sterbehilfe ist im Judentum verboten. Ein Verstorbener muss recht zügig beigesetzt werden. Mit der praktischen Beisetzung eines Verstorbenen beschäftigt sich in der Regel ein jüdischer Beerdigungsdienst, den man die „Chevra Kadischa“ nennt. Diese wäscht die Leiche unmittelbar vor der Beisetzung und legt den Verstorbenen in Totenkleider, die sog. „Tachrichim“. Am Tage der Beerdigung versammelt sich die Trauergemeinschaft auf dem jüdischen Friedhof. Trauernde, für die jüdische Trauergesetze gelten, sind: Vater, Mutter, Sohn, Tochter, Geschwister und Ehepartner*in eines Verstorbenen. Ein Rabbiner führt die Trauerzeremonie, dabei spricht er u.a. das berühmte Trauergebet „Ziduk Hadin“, bei dem die Annahme des bitteren göttlichen Urteils über Leben und Tod des Menschen akzeptiert wird. Ein wichtiger Brauch ist die Trauerrede auf den Verstorbenen, die vom Rabbiner und den Familienangehörigen gehalten wird. Der Verstorbene befindet sich während der gesamten Trauerzeremonie im verschlossenen Holzsarg. Auf dem Weg zum Grab werden Gebete gesprochen. Dabei wird das Gebet einige Male unterbrochen, und die Trauergemeinschaft bleibt während der Unterbrechung stehen. Eine jüdische Beisetzung findet einzig und allein in Form einer Erdbestattung statt. Einäscherung oder andere Formen der Beisetzung sind im Judentum streng untersagt. An der Grabstelle angekommen, wird der Sarg abgeseilt. Erst wenn der Sarg mit Erde zugeschüttet ist, beginnt für die Angehörigen die siebentägige Trauerzeit. Man sitzt „Schive“ im Hause der Trauernden, womit gemeint ist: Trauernde Verwandte verlassen für eine Woche ihre Wohnung nicht, sie sitzen auf niedrigen Bänken oder Stühlen und trauern um die verstorbene Person.

Im Judentum gilt die Hoffnung, dass in einer zukünftigen, gerechten und erlösten Welt, die der Messias gründen wird, die Toten wiederauferstehen werden.

– Rabbiner Aharon Ran Vernikovsky, Gemeinderabbiner der jüdischen Gemeinde Mainz, Mitglied der orthodoxen Rabbinerkonferenz

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Das jüdische Jahr https://www.jewishandchristian.org/das-juedische-jahr/ Sun, 01 Nov 2020 08:24:00 +0000 https://www.jewishandchristian.org/?p=20093 more]]>

Der Gang durch das jüdische Jahr kann zu zwei verschiedenen Jahreszeiten beginnen, entweder zum Frühlingsbeginn oder zum Herbstbeginn.

Nach der biblischen Erzählung ist der erste aller jüdischen Feiertage Pessach, der Tag des Auszuges der Israeliten aus dem pharaonischen Ägypten zur Frühlingszeit. Die Gelehrten des Judentums jedoch beschlossen, den offiziellen jüdischen Kalender mit dem Neujahrsfest Rosch Haschana zur Herbstzeit beginnen zu lassen.

Rosch Haschana ist der erste verbindliche Feiertag im Judentum und wird auch das jüdische Neujahrsfest genannt. An diesem Tag, so die jüdische Überlieferung, wurde der erste von G´tt erschaffene Mensch Adam in die von Gott erschaffene Welt gesetzt. An Rosch Haschana tritt daher Gott in der Liturgie der Gebete als Richter, als König und Herr der Welt auf. Dies zu verdeutlichen, wird in einen Widderhorn geblasen, den man im Judentum den Schofar nennt. Juden nennen Rosch Haschana auch den Tag des Gerichts. Um das göttliche Gerichtsurteil über Mensch und Welt symbolisch zu versüßen, isst man u.a. Apfel mit Honig.

10 Tage später findet der Versöhnungs- und Fasttag Jom Kippur statt. Mit Versöhnung ist sowohl die Buße vor Gott wie auch die Aussprache und innere Wiedervereinigung des Menschen mit Gott gemeint. Im Gebet findet ein kollektives Sündenbekenntnis statt. Jede Beterin und jeder Beter tragen ihre Fehler und Vergehen vor Gott und Mensch in Form eines Gebetstextes vor. Auch die Versöhnung des Menschen mit seinem Mitmenschen ist an diesem Tag von großer Wichtigkeit. Man verzeiht einander, man geht aufeinander zu. Jom Kippur ist inhaltlich ein Buß- und Bettag und schließt die 10tägige Periode der sog. Hohen Feiertage beginnend mit Rosch Haschana ab.

5 Tage danach startet das siebentägige Laubhüttenfest Sukkot. Siebentage lang sitzt man in einer von Laub und Grünzeug überdachten Hütte, die an die Hütten der Israeliten beim Auszug aus Ägypten erinnern soll, und feiert mit Familie, Gästen und Gemeinde dieses Fest. Besonders wichtig ist es, die Mahlzeiten in der Laubhütte einzunehmen. Tagesüber schüttelt man die sog. 4 Pflanzenarten, bestehend aus einer für viele Außenstehende unbekannten Frucht der Zitronatszitronen namens Etrog, einem Palmenzweig, Myrtenzweigen und Bachweiden. Dieser Feststrauß ist neben der Laubhütte das typische Symbol für Sukkot.

Am 8. Tag von Sukkot findet „Schmini Azeret“, der sog. „8. Tag der Versammlung“ statt. In biblischen Zeiten diente dieser Tag als Ausdruck zusätzlicher Freude der jüdischen Glaubensgemeinschaft. Nach dem 7tägigen Laubhüttenfest wollten die Gläubigen nicht wieder weg vom alten Jerusalemer Tempel, wo die Wallfahrtsfeste, zu denen auch Sukkot gehörte, stattfanden. Man wollte einen zusätzlichen Tag drauflegen, um vor Gott zusätzliche Freude und Dankbarkeit zu zeigen. Diesen Tag begehen wir bis heute in den Synagogen und fügen ihm einen weiteren Tag hinzu. Dieser Tag wäre dann der 9. Tag ab Beginn von Sukkot. Ihn nennt man Simchat Tora, das Tora-Freudenfest. Dieser Feiertag zeichnet sich darin aus, dass die Synagogengemeinschaft an ihm, ihre Freude über die heilige Tora-Schrift, die die Grundlage des Judentums bildet durch Tanz und Gesang zum Ausdruck bringt. Es werden alle Tora-Rollen aus dem Tora-Schrein ausgehoben, die Synagoge wird zu einem Ort der überschwänglichen Freude und des Festes. Mit den Tora-Rollen in der Hand umkreist man den synagogalen Altar, die sog. Bima, sieben Mal. Es werden die letzten Abschnitte der Tora feierlich vorgetragen und gleich danach wird der Anfang der Tora ebenso vorgelesen. Damit kommt die jährliche Toralesung zu ihrem Abschluss, und eine neue Lesung kann wieder starten.

Nach den Herbstfeiertagen folgt in der Winterzeit und oft parallel zum Weihnachtsfest das Lichterfest Chanukka. Chanukka erinnert an den erfolgreichen Aufstand gegen die griechische Besatzung im Heiligen Lande und die Wiedereinweihung des entweihten Jerusalemer Tempels 164 v. Chr. Das Licht spielt hierbei eine entscheidende Rolle, denn die Chanuka-Geschichte erzählt von dem achttägigen Wunder des Tempelleuchters bei der Rückeroberung des Heiligtums durch die aufständischen Makkabäer. 8 Tage lang werden die Chanukka-Lichter gezündet, jeden Tag eine Kerze mehr, bis am achten Tag alle Kerzen leuchten. Das Licht symbolisiert den Sieg, das Leben und die göttlichen Wunder.

Der auf Chanukka folgende nächste wichtige jüdische Feiertag, der keine Erwähnung in der Tora findet, sondern auf ein historisches Ereignis zurückgreift, ist das lustige Verkleidungsfest Purim. Purim findet zum Winterende statt, am 14. Adar des hebräischen Kalenders. Oftmals fällt interessanterweise dieser Feiertag auf die Fastnachts- und Karnevalszeit hier in Deutschland. Und auch hier gibt es einige Parallelen: Purim ist ein Kostümfest mit viel Alkohol, Partystimmung und vielen Feierlichkeiten. Traditionell wird die sog. Megilath-Esther, das Buch Esther in Form einer Rolle, in den Synagogen vorgetragen, in der die Purim-Geschichte erzählt wird. Ähnlich wie bei Chanukka geht es auch bei Purim um die Errettung des jüdischen Volkes, wohingegen diesmal die physische Errettung aus der drohenden Gefahr in der persischen Diaspora im Mittelpunkt steht. Nach den Erzählungen der Esther versuchte Haman, der höchste Regierungsbeamte des altpersischen Königs die Juden im gesamten Perserreich an einem Tag zu ermorden. Durch das Eingreifen der Königin Esther konnte dies verhindert werden. Seitdem wird Purim jedes Jahr lustig und gesellig begangen. Purim ist eine Art Vorläufer des uns bekannten Karnevals – freilich nach jüdischer Interpretation.

Genau ein Monat nach Purim zum Frühlingsbeginn folgt das bedeutende Pessach-Fest. Pessach ist von allen jüdischen Feiertagen derjenige, der in der Tora am häufigsten erwähnt wird. Pessach ist, wenn man so will, die Geburtsstunde des souveränen jüdischen Volkes. Es erinnert an den Auszug der Israeliten aus der pharaonischen Sklaverei im alten Ägypten. Diese berühmte biblische Geschichte ist vielen Menschen bekannt: Es ist die Geschichte von Moses und seinem Bruder Aaron, die das geknechtete jüdische Volk nach jahrhundertelanger Sklaverei in die Freiheit führen. Es ist die Geschichte von den 10 Plagen, und es ist die Geschichte von der Spaltung des Meeres. Der Auszug aus Ägypten ist ein Fest der Freiheit und womöglich bis heute ein Grundmodell vieler Freiheitsbewegungen der Unterdrückten und Geknechteten.

Im Mittelpunkt des rituellen Geschehens von Pessach steht der sog. Seder-Abend, ein familiäres und gemeinschaftliches Zusammenkommen in Erinnerung an den Tag des Auszuges aus Ägypten. Es wird die Geschichte vom Auszug der Israeliten, die Hagadah, kindgerecht und mit Gesang erzählt. Auf dem Pessach-Tisch stehen ungesäuerte Brote, die Mazot. Die Mazot sind eine Erinnerung an die Brote, die beim Auszug aus Ägypten schnell gebacken wurden und deren Teig nicht säuern konnte. Auf dem Tisch steht außerdem eine traditionelle Pessach-Schüssel mit bestimmten Speisen, die allesamt eine kulinarische Erinnerungskultur erzeugen sollen, wie z.B. Bitterkräuter als Erinnerung an die bittere Sklaverei oder ein Fleischschenkel in Erinnerung an das Opfer, das die Israeliten am Abend vor dem Auszug aus Ägypten aßen: das Überschreitungsopfer. Tatsächlich meint das Wort Pessach die „Überschreitung Gottes“. Denn bei der 10. Plage Ägyptens wurden die Erstgeborenen der Israeliten verschont, indem Gott über ihre Häuser metaphorisch hinwegschritt.

Pessach ist für Juden, die außerhalb von Israel leben ein achttägiges Fest. Während der gesamten Pessach-Zeit darf keinerlei Sauerteig gegessen werden wie z.B. Brot, Gebäck, Nudeln und ähnliches. Stattdessen isst man die Mazot, die womöglich das berühmteste Speisesymbol des Judentums sind. Pessach ist, wie schon erwähnt, der erste Feiertag der Tora und des ursprünglichen biblischen Kalenders.

Zählt man ab Pessach 49 Tage so käme als letzter großer Feiertag Schawuoth, der Tag der Übergabe der 10 Gebote an die Israeliten. Schawuoth ist neben Pessach und Sukkot ein Wallfahrtsfeiertag. Wahrscheinlich aber ist Schawuoth der unauffälligste der großen und bekannten jüdischen Feiertage. Denn er kennt keine strengen Riten und Vorschriften, deren Wichtigkeit mit denen anderer Feiertage vergleichbar wäre.

Schawuoth hat in unserer Zeit vor allem als Erinnerung an die Übergabe der Gebote Gottes an das jüdische Volk am Berge Sinai eine Bedeutung. Mit der Annahme der Gesetztafeln und der Tora als geistige Grundlage für das Judentum vollzogen die Israeliten einen wichtigen Schritt: Sie waren ab diesem Moment nicht nur Volk, sondern auch Religion. Die Volkswerdung als freies und unabhängiges Volk vollzog sich mit dem Auszug aus Ägypten, aber die inhaltliche Ausrichtung des jüdischen Volkes als Volk des Gesetzes, der Gebote und als Volk der Tora vollzog sich am Berge Sinai mit der Übergabe der Gesetze Gottes an das Israelitentum.

– Rabbiner Aharon Ran Vernikovsky, Gemeinderabbiner der jüdischen Gemeinde Mainz, Mitglied der orthodoxen Rabbinerkonferenz

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